Wie viel Nebenverdienst ist steuerfrei möglich?

Hinweis: Dieser Text stellt keine Rechts-, Steuer- oder Fachberatung dar und schließt insofern jede Haftung aus.

Du möchtest zu deinem Hauptjob oder zu deinem bisherigen Nebeneinkommen steuerfrei noch etwas dazu verdienen? Dir ist wichtig, dass dein Nebenverdienst zu keiner steuerlichen Mehrbelastung führt? – Schauen wir uns einmal an, unter welchen Bedingungen ein Nebenverdienst steuerfrei bzw. zu versteuern ist.

Es gibt viele Gründe, um einen Nebenjob zu beginnen. Je nach Lebenssituation des Aspiranten sind sie höchst individuell. Offensichtlich möchte der Betroffene sein Einkommen erhöhen. So könnte der Lohn aus der Hauptbeschäftigung dahingehend nicht ausreichen, dass laufende Kosten und Rechnungen gedeckt werden müssen. Manchmal stehen notwendige oder statusbedingte Anschaffungen (z. B. Auto, Möbel, Nachwuchsutensilien) oder der langersehnte Urlaub an, der erst mit einem Nebenerwerb möglich wird. Veränderte Lebensumstände (z. B. Mieterhöhung, Trennung, Gehaltseinbußen) sind ebenso Auslöser, für die Entscheidung, einen Nebenverdienst anzustreben.

Für Nebenbeschäftigungen gelten keine arbeitsrechtlichen Besonderheiten. Es gelten die allgemeinen Rechte und Pflichten der Vertragsparteien, die ihre Anwendung auch im Hauptberuf haben.

Wie definiert sich ein Nebenverdienst/Nebenjob?

Eine Nebentätigkeit beschreibt im arbeitsrechtlichen Sinne jede Beschäftigung, die neben dem Hauptberuf ausgeübt wird. Der Nebenjob wird in der Regel mit einer Vergütung belohnt. Diese Vergütung wird als Zu- oder Nebenverdienst bezeichnet, die an entsprechende Rechte und Pflichten eines Arbeitsverhältnisses im Rahmen eines Arbeitsvertrags gekoppelt ist. Grundsätzlich kann eine Nebenbeschäftigung als Zweitjob beim Hauptarbeitgeber oder bei einem alternativen Arbeitgeber aufgenommen werden. Weiterhin besteht die Möglichkeit einer selbstständigen Nebentätigkeit (Dienst-/Werkvertrag) oder einer unentgeltlichen ehrenamtlichen Tätigkeit.

Wann ist der Nebenverdienst erlaubt, wann nicht?

Mehrere Arbeitsverhältnisse dürfen sich aufgrund arbeitsrechtlicher Bedingungen nicht überschneiden. Insofern muss bei der Aufnahme eines Nebenjobs auch die vertraglich vereinbarte Arbeitsleistung in deinem Hauptberuf abrufbar sein. Beschränkungen im Rahmen der Nebenbeschäftigung sind gesetzlich bzw. vertraglich festgelegt.

So darf nach dem Arbeitszeitgesetz (ArbZG) eine Höchstarbeitszeit von zehn Stunden nicht überschritten werden. Arbeitest du also acht Stunden pro Tag in deinem Hauptberuf, dann darfst du logischerweise nur noch zwei Stunden für deinen Nebenjob investieren. Ausgenommen von dieser Regelung sind Ehrenämter.

Die Nebenbeschäftigung darf die Haupttätigkeit nicht einschränken (Interessenkollision). Das bedeutet, dass ein Nebenjob bei einem konkurrierenden Unternehmen nach dem Wettbewerbsverbot nicht gestattet ist. Im Falle des Verstoßes gegen das Wettbewerbsverbot, kann der Arbeitgeber der Hauptbeschäftigung Schadenersatz beanspruchen. Auch eine Kündigung kann in diesem Fall ausgesprochen werden.

Nach dem Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) darf außerdem der Nebenjob in der Urlaubszeit nicht dem Urlaubszweck, also der Erholung, entgegenstehen. Vergleichbar ist diese gesetzliche Verordnung mit dem Krankheitsfall. Bist du krankheitsbedingt arbeitsunfähig, dann ist ein Verhalten angebracht, das den Genesungsprozess fördert und nicht durch körperliche Arbeit weiter beeinträchtigt.

Wie wird der Nebenverdienst steuerrechtlich behandelt?
Wann muss ich den Nebenverdienst versteuern?

Wird eine Nebenbeschäftigung aufgenommen, ist sie prinzipiell steuerpflichtig. Entweder wird sie von der Lohnsteuer pauschal erhoben oder über die Lohnsteuermerkmale des zuständigen Finanzamts besteuert (Lohnsteuerklassen). Ersterer Fall wird bevorzugt gewählt, wenn der Nebenverdienst nicht mehr als 450 Euro beträgt. Dann wird das Nebeneinkommen mit 2 Prozent besteuert. Im Fall der Lohnsteuermerkmale werden die Lohnsteuerklassen (LSK) herangezogen, die je nach Einzelfall zu einer Versteuerung führen können.

Nebenbeschäftigungen müssen beim Finanzamt angegeben werden, weil sie durch die Absicht der Gewinnerzielung der Einkommenssteuer unterliegen. Spätestens bei der Steuererklärung ist die Angabe der gesamten erzielten Einkommensströme anzugeben.
Grundsätzlich muss du einen Nebenverdienst versteuern.

Wann ist der Nebenverdienst steuerfrei?

Nach rechtlicher Grundlage ist ein steuerfreier Zuverdienst zunächst als Minijob (max. 450 Euro) im Nebenjob möglich.

Darüber hinaus ist die Nebentätigkeit bei einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft bzw. gemeinnützigen Organisation, bekannt als Übungsleiterpauschale, bis zu einem Betrag von 2400 Euro pro Jahr als steuerfreier Nebenverdienst anerkannt. Der Aufgabenbereich umfasst eine gemeinnützige, mildtätige, kirchliche, künstlerische, betreuende oder pädagogische Tätigkeit. Dazu gehören Sportvereine und Schulen, ein Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr oder Pflege kranker und behinderter Menschen.
Beachte, dass die Tätigkeit allerdings nicht mehr als ein Drittel einer vergleichbaren hauptberuflichen Tätigkeit in Anspruch nehmen darf.

Auch die Ehrenamtpauschale in Höhe von 720 Euro und Nebenverdienste aus selbstständiger Arbeit in Höhe von 410 Euro gelten jeweils als steuerfreier Nebenverdienst.

Nebenverdienste unter dem Grundfreibetrag bleiben steuerfrei. Wenn das gesamte Jahreseinkommen (Stand 2021) bei Ledigen 9.744 Euro nicht übersteigt, bleibt das Nebeneinkommen steuerfrei. Eine gemeinsame steuerliche Veranlagung von Eheleuten lässt sich bis zur Höchstgrenze von 19.488 Euro steuerfrei verdienen.

Der Minijob, als geringfügige Beschäftigung mit einem eingeschränkten Arbeitsentgelt, ist hinsichtlich Kranken,- Pflege- und Arbeitslosenversicherung nicht versicherungspflichtig. Bedenke allerdings, dass ein Krankenversicherungsschutz in Deutschland verpflichtend ist und mit dem Minijob nicht abgedeckt wird. Legitim wäre ein pauschaler Krankenversicherungsbeitrag von 13 Prozent, den der Arbeitgeber für gesetzlich krankenversicherte Personen abführt. Übrigens ist bei einem Minijob die wöchentliche Arbeitszeit und die Anzahl der monatlichen Arbeitseinsätze nicht anzeigepflichtig. Ebenso muss ein Nebenjob auf 450-Euro-Basis beim zuständigen Finanzamt nicht angemeldet werden. 450-Euro-Nebenjobs sind rentenversicherungspflichtig und müssen vom Arbeitgeber in Höhe von 15 Prozent übernommen werden.

Nebenamt oder Nebenbeschäftigung? – Steuerfreier Zuverdienst bei Beamten

Du hast gesehen, dass bei Nebenbeschäftigungen keine speziellen gesonderten Anordnungen vorliegen. Ein Beamtenverhältnis bildet eine rechtliche Ausnahme. Für Soldaten, Richter, und Beamte gelten die Verordnung über die Nebentätigkeit von Bundesbeamten, Berufssoldaten und Soldaten auf Zeit, das Beamtenstatusgesetz (BeamtStG) und das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB).

Es wird eine Nebentätigkeit, die von der obersten Dienstbehörde angeordnet wird und ein Nebenjob im zivilen Sinne unterschieden. Der Nebenjob wird in der Regel freiwillig und außerhalb des Beamtenverhältnisses ausgeübt. Jede Nebenbeschäftigung außerhalb der Haupttätigkeit muss vom Dienstherrn genehmigt werden, wobei bestimmte Tätigkeitsfelder Ausnahmen darstellen. Darunter fallen wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische Tätigkeiten sowie Vortragstätigkeiten.

Du solltest zwei Arten von Nebeneinkommen für Beamte bzw. beamtenähnliche Berufe unterscheiden:

  • Nebenamt: Das Nebenamt wird beamtenrechtlich innerhalb der entsprechenden Vorschriften übertragen.
  • Nebenbeschäftigung: Alle Tätigkeiten, die neben dem Beamtenverhältnis durch einen Arbeitsvertrag geregelt werden.

Fazit: Es existieren zahlreiche Möglichkeiten, um nebenerwerblich tätig zu sein. Der Nebenerwerb sollte zu den persönlichen Neigungen, Erfahrungen und Qualifikationen passen. Ob es der klassische 450-Euro-Minijob, die Übungsleiterpauschale, eine ehrenamtliche Tätigkeit oder die Ausnutzung des Grundfreibetrags ist, in jedem Fall ist eine frühzeitige Suche/Anstrengung nach offenen Stellen angebracht; erfordert Eigeninitiative und professionelles zeitliches Management. Eine zusätzliche Beschäftigung zum Haupterwerb erfordert allerdings auch immer zusätzliche körperliche Ressourcen. Letztlich müssen diese immer mit der jeweiligen Lebenssituation abgeglichen werden.

Quellen:

https://www.wirtschaftsforum.de/tipps/nebenjob-unter-diesen-voraussetzungen-ist-er-steuerfrei (13.04.21)

https://www.arbeitsrechte.de/nebenjob/ (13.04.21)